"Mei sein schon beisamme!"

Bis 1878 existierte in der Altstadt Hanau ein Schweinetrieb. Bewohner der Altstadt hatten die Möglichkeit, Schweine zu halten, die morgens dem bezahlten Schweinehirten übergeben und von diesem in die umliegenden Wälder getrieben wurden. Erst als Hanau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Industriestadt wurde, gab man die Institution auf. Bei den Hirten muss es sich um recht derbe Originale gehandelt haben. So ist von dem Schweinehirten Ernst Helm überliefert, dass er die Herde häufig sich selbst überließ und im Forsthaus an der Niederrodenbacher Straße zum Zechen einkehrte.

Einen folgenschweren Scherz erlaubte sich wohl einer der letzten Hanauer Schweinehirten: Nicolaus Ickler. Aufgrund späterer Legendenbildung sind bei der Überlieferung wohl mehrere Ereignisse zusammengefasst worden. Während eines Umbaus der Kaserne am Paradeplatz (heute Finanzamt) waren die Soldaten auf die Häuser der Altstadt verteilt. In dieser Zeit soll der vorletzte Schweinehirt mit seinem Horn, mit dem er eigentlich Signale blasen musste, um die Schweine zusammenzutreiben, Militärsignale gegeben haben. Einmal habe er dabei einem wartenden Offizier zugerufen: "Mei sein schon beisamme!" und sei dafür für sechs Wochen ins Gefängnis gesperrt worden. (Hanauer Zeitung vom 5. Februar 1903)

Nachweisbar ist ein solcher Vorgang in Gerichtsakten des Garnisonsgerichts in Kassel, wonach im Jahr 1851 der Schweinehirtengehilfe Ickler wegen "Verhöhnung der kurhessischen Truppe und wortliche Widersetzlichkeit" angeklagt wurde (der Fall wurde aber nach Hanau zurück verwiesen). Ickler hatte mit seiner Trompete das Signal des 3. kurhessischen Infanterieregiments sehr täuschend nachgeahmt...

Ein Umbau der Kaserne ist nachweisbar für die Jahre 1856-58. Der Hanauer Chronist Wilhelm Ziegler berichtet, dass in dieser Zeit es dem Schweinehirten verboten wurde, die Trompete zu blasen. Er musste stattdessen auf den Fingern pfeifen...

Literatur:
* Eckhard Meise: Auch ein Jubiläum: das Ende des Hanauer Schweinetriebs 1878. Neues Magazin für Hanauische Geschichte 2003 S. 143-231, besonders S. 212-216.