Hanauisch-Indien

Wohl eines der kuriosesten Kapitel der Hanauer Geschichte stellt der kurzfristige und zugleich erfolglose Versuch von Graf Friedrich-Casimir von Hanau-Lichtenberg und seinem Geheimrat J. J. Becher dar, in Süd-Amerika eine Kolonie zu erwerben. 1669, in der Zeit des Merkantilismus, war die Idee zwar nicht so abwegig, wie sie heute erscheinen mag; die zur Durchführung notwendigen Kosten überstiegen aber die Möglichkeiten der Grafschaft erheblich. Ein Vertrag wurde geschlossen mit der Niederländischen Westindien-Kompanie, von denen der Graf ein Gebiet von etwa 3.000 Quadratmeilen als Lehen nehmen sollte. Neben den finanziellen Problemen, die später zu einer Regierung unter Aufsicht führten, scheiterte das Projekt an dem Klima in Südamerika, mangelnden Siedlern und dem Ausbruch des Französisch-Niederländischen Krieges 1672.

Manchen Hanauern ist ein Gemälde des Grafen geläufig, das 1676 angefertigt wurde und eine Allegorie auf die Erwerbung von Surinam darstellt. Friedrich Casimir wird u. a. umgeben von einem Mohren und Merkur, dem Gott des Handels. Das Original von Johann David Welcker, "Allegorie auf die Erwerbung von Surinam durch den Grafen Friedrich Casimir von Hanau 1669, 1676" befindet sich heute in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe (Inv.-Nr. 1164).

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Literatur:
* Ferdinand Hahnzog: Hanauisch-Indien einst und jetzt. Hanau 1959.
* Ferdinand Hahnzog: Die Kalkulation von "Neu-Teutschland" oder "Hanauisch-Indien''. Hanauer Geschichtsblätter 17,1960 S. 93-114.
* Georg Ulrich Großmann (Hrsg.): Von teutscher Not zu höfischer Pracht : 1648 - 1701. Ausstellungskatalog Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, 2. April bis 16. August 1998, Kat-Nr. 102.
http://de.wikipedia.org/wiki/Hanauisch_Indien